Rot-, Schwarz und Rehwild in der goldenen Stunde

Aktualisiert: Juli 16

Es gibt derart warme Sommertage, da zieht es mich förmlich in den kühlen und schattigen Wald. Wenn dann noch Windstille herrscht und die Luft klar ist, muss natürlich die Kamera mit. Nach dem Abendbrot mit der Familie und dem Zubettbringen der Jüngsten, ging es also in den nahegelegenen Sachsenwald. Auf leisen Sohlen, mit wachem Blick und gespitzten Ohren bewegte ich mich langsam durch den Wald. Zunächst auf einem Forstweg, später in eine Rückegasse und dann ins Holz hinein:

Der erste Anblick musste nicht lange auf sich warten: Mehrere Frischlinge standen neben einer großen Pfütze. Ich ging in Deckung und suchte mir eine leicht erhöhte Position in der Nähe. Dann sah ich auch die erste von zwei Bachen. Insgesamt konnte ich zehn Frischlinge zählen.


Die jüngere der beiden Bachen (grau, gut erkennbares Gesäuge) witterte mich leider recht schnell. Laut hörbar schnüffelte sie in verschiedenen Richtungen, grunzte dann nach einem kurzen Moment des Innehaltens laut und rannte sofort danach mit allen Frischlingen im Schlepptau von der Lichtung zurück in den Wald.

Ich machte mich sodann gleich wieder auf den Weg. Begleitet wurde ich von gut hörbarem Vogelgezwitscher. Auf dem Weg sammelte ich schöne Eindrücke vom beginnenden Sonnenuntergang im Wald. Nicht umsonst wird diese Zeit goldene Stunde genannt:


Wenn ihr jetzt das erste, hellgrüne Foto vom Waldweg noch einmal ganz genau betrachtet, werdet ihr genauso erstaunt sein, wie ich, als ich die maximale Vergrößerung bei der Medienwiedergabe meiner Sony Alpha 7 III bediente: Ganz hinten entdeckte ich zwei braune Figuren am Wegesrand, vermutete zunächst Steine oder Baumstümpfe. Beim Blick durch das Teleobjektiv wurde schnell klar: Ich hatte Rotwild im Anblick. Für mich das erste Mal in freier Wildbahn in Deutschland. Sofort pirschte ich mich an den Waldrand auf meiner rechten Seite, denn ich stand zuvor mitten auf dem Weg und war damit für das Wild gut sichtbar. Leise und langsam arbeitete ich mich vorwärts, Plötzlich entdeckte ich auch auf Höhe des Jagdhochstandes eine Hirschkuh. Ab jetzt hielt ich nur noch mit der Kamera drauf. Für das Abschnallen des Dreibeinstativs vom Rucksack blieb keine Zeit mehr. Alle nachfolgenden Bilder - bis zur Flucht des Rudels, bestehend aus Hirschkühen mit Kälbern und zumindest einem Knopfhirschen - entstanden daher leider aus der Hand heraus.


Eigentlich hätte ich mich mit dieser Ausbeute meiner spontanen Fotosafari wirklich zufrieden geben können. Wer mich kennt, weiß, dass ich natürlich vorsichtig weiter bin. Das Rudel habe ich leider nicht noch einmal erblicken können.


Bereits auf dem Weg zu einer Lichtung erkannte ich im hohen Gras einen Schwarzkittel. Ein leises Heranschleichen war mir leider wegen diverser und leider auch laut krachend zerbrechender Zweige auf dem zerwühlten Waldboden nicht möglich, sodass das Stück nach meiner Ankunft am Rand der Lichtung bereits geflüchtet war. Ich harrte dennoch aus, denn die Spuren im Waldboden, viele Eichen um mich herum und ein kleiner See zu meiner Linken verrieten mir, dass es hier sehr viele Wildschweine geben musste. Meine Geduld wurde belohnt:


Nun wurde es aber Zeit, den inzwischen sehr langen Heimweg anzutreten. Es war bereits nach halb zehn Uhr abends und der Sonnenuntergang sollte genau um 21:52 Uhr beendet sein, verriet mir die im Übrigen sehr empfehlenswerte App PhotoPills. Und dann wollte ich möglichst nicht mehr allein im dunklen Wald sein.


Auf dem teils schon sehr dunklen Rückweg hörte ich noch zwei Mal grunzende und quiekende Schwarzwildrotten, wie sie - durchs Unterholz krachend - vor mir flüchteten. Völlig zufällig erblickte ich im Halbdunkel noch ein Reh, welches mich aus einiger Entfernung ungläubig anzustarren schien. Beim schnellen Schuss aus der Hand zahlte sich der große Objektivdurchmesser aus, sodass noch genug Licht auf den Sensor fallen konnte:


Auf dem Weg zum geparkten Auto gelang mir noch dieser Blick auf die sonst so stark befahrene Bundesstraße 404. Mit diesem Bild verabschiede ich mich bis zum nächsten Eintrag.









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